Target Sharing
Als Target Sharing bezeichnen wir in der 193rd Combat Aviation Brigade im allgemeinen den Vorgang wenn von einem Helikopter ein Ziel an einen anderen Helikopter weitergegeben wird.
Dabei ist es egal, ob es sich um einen Transport-, Attack- oder Reconhelikopter handelt. Die Weitergabe eines Ziels kann von jedem Helikopter zu einem anderen erfolgen und muss deswegen auch von allen Piloten der 193rd Combat Aviation Brigade beherrscht werden.
Möglichkeiten ein Ziel zu übertragen
In den Hubschraubern der 193rd Combat Aviation Brigade gibt es mehrere Möglichkeiten, wie ein Ziel an ein anderes Luftfahrzeug weitergegeben werden kann.
Diese Möglichkeiten unterscheiden sich in ihrer Durchführung zum Teil erheblich voneinander, folgen aber trotzdem alle dem gleichen Ablauf. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass egal wie ein Ziel übermittelt wird jeder am Ablauf beteiligte Pilot weis worauf zu achten ist und welcher Schritt als nächstes erfolgen wird.
Die Möglichkeiten, die den Piloten zur Zielübermittlung zur Verfügung stehen sind im folgenden:
Beschreibung
Die einfachste Art der Zielübermittlung ist die Beschreibung des Ziel per Funk.
Bei dieser Technik besprechen zwei in Funkkontakt stehende Helikopter, wo sich ein Ziel befindet. Diese Absprache erfolgt so lange, bis beide Helikopter sichergestellt haben, dass sie das selbe Ziel identifiziert haben.
Diese Mitteilungsmethode ist langsam und ineffizient. Sie ist allerdings auch die Methode , die die geringsten Anforderungen an die Technik des Helikopters stellt. Solange das Funkgerät noch intakt ist kann diese Methode angewendet werden.
In der 193rd Combat Aviation Brigade sollten Zielabsprachen per Beschreibung nur in Notfällen oder in äußerst einfachen Situationen angewendet werden.
Koordinate
Eine weitere Art ein Ziel mit einem anderen Luftfahrzeug zu teilen ist die Weitergabe der Koordinaten (siehe Navigation) an denen sich das Ziel befindet.
Bei dieser Technik gibt der Helikopter, der das Ziel bereits in Sicht hat die Koordinaten per Funk an das zweite Luftfahrzeug weiter. Die Übergabe ist abgeschlossen, sobald der empfangende Helikopter die Sichtung des Ziels bestätigt.
Diese Methode ist bei konzentrierter Anwendung relativ schnell und zuverlässig. Sie bietet außerdem den Vorteil, dass beide Hubschrauber, die am Vorgang beteiligt sind, keine aktive Sicht auf das Ziel haben müssen.
In der 193rd Combat Aviation Brigade bildet die Weitergabe eines Ziels per Koordinate die Standard Methode, die in der Regel zur Anwendung kommt, sofern keine anderen Absprachen getroffen wurden.
Lasermarkierung
Lasermarkierung ist die dritte Möglichkeit Ziele zwischen mehreren Luftfahrzeugen zu teilen. Aufgrund ihrer technischen Anforderungen ist sie allerdings nur von wenigen Helikoptern anwendbar.
Bei dieser Technik markiert ein Helikopter das Ziel mit aktiviertem Laser, während das zweite Luftfahrzeug einen so genannten Laser-Spot-Tracker verwendet, um den aktiven Laser zu finden und sein Ziel aufzuschalten. Gegenwärtig verfügt nur der AH-64D Apache über einen LST.
Die Methode ist bei geübter Anwendung die mit Abstand schnellste Möglichkeit ein Ziel fehlerfrei zu übertragen, setzt aber gleichzeitig auch den perfektesten Abstimmungsablauf voraus.
In der 193rd Combat Aviation Brigade kommt diese Methode zum Einsatz, wenn es auf hohe Geschwindigkeit bei der Zielübermittlung ankommt.
Datalink
Die Übermittlung eines Ziels per Datalink bildet die vierte und letzte Möglichkeit ein Ziel in der 193rd Combat Aviation Brigade zu teilen.
Bei dieser Technik versendet ein Luftfahrzeug seine Zielinformationen per Datalink (digitale Nachricht) an einen anderen Helikopter. Diese Funktion steht allerdings nur dem AH-64D Apache zur Verfügung.
Diese Methode ist in der Regel schnell und sicher einsetzbar. Die Übermittlung eines Ziels setzt aber eine stabile Funkverbindung zwischen den beteiligten Helikoptern voraus. Ist diese gestört kann das Ziel nicht übertragen werden.
In der 193rd Combat Aviation Brigade kommt die Übertragung von Zielen per Datalink in der Regel nur zwischen reinen AH-64D Apache Formationen vor und ist damit stark eingeschränkt in der Anwendung.
Target Sharing – Durchführung
Der Prozess des Target Sharing ist in der 193rd Combat Aviation Brigade standarisiert und basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und Eindrücken, die wir aus anderen Kampfberichten gewonnen haben. Ziel des Ablaufs ist es ein einheitliches Verfahren für alle Piloten zur Verfügung zu stellen. Auf diese Art und Weise sollen Missverständnisse und Fehler in stressigen Situationen unter Einsatzbedingungen reduziert oder im Idealfall vollständig vermieden werden.
Der Prozess des Target Sharing teilt sich in drei Schritte ein, wovon der zweite eine Schleife ist, die so lange wiederholt wird bis ein Target erfolgreich übermittelt wurde.
Ankündigung und Bereitschaft
Der erste Schritt des Target Sharing ist immer die Ankündigung ein Target zu übertragen und die Rückmeldung, dass die Bereitschaft zum Empfang der Information vorliegt. Dieser Schritt ist zwingend notwendig, um Informationsverluste und Fehler zu vermeiden.
Anfrage stellen
Die Anfrage für das Senden einer Target Information geht immer vom Helikopter aus, der das Ziel bereits erkannt hat. Hintergrund für diese Reihenfolge ist, dass der spottende Helikopter vermutlich bereits seine Aufklärungsarbeit geleistet hat und sich auf die Durchführung des Target Sharing Ablaufs konzentrieren kann, während das empfangende Luftfahrzeug eventuell noch mit anderen Aufgaben wie Positionswechsel oder ähnlichem beschäftigt ist.
Auf diese Weise unterstützen sich die verschiedenen Luftfahrzeuge optimal.
Eine Anfrage wird formal wie folgt gestellt:
„Saber-1, Eagle-1, request send target information“
Bereitschaft melden
Der Helikopter, der die Anfrage zum Teilen einer Target Information erhält muss im folgenden seine Bereitschaft zum Empfang der Informationen mitteilen. Wurde wie im oben genannten Beispiel nur ein Platoon-Callsign als Empfänger benannt, antwortet entweder der Platoon Lead, oder der zu diesem Zeitpunkt für Zielübertragungen zuständige Pilot innerhalb des Platoons. Auch hier kann die Aufgabe durch den Platoon Lead verteilt werden, um die Arbeitslast aufzuteilen.
Die Bestätigung wird formal wie folgt erteilt:
„Eagle-1, Saber-1, ready to recieve target information“
Übermittlung (Schleife)
Der zweite Schritt bei der Zielübermittlung ist die Weitergabe der eigentlichen Targetposition. Wie oben beschrieben kann diese Position auf mehrere Arten übermittelt werden. Die Wahl des richtigen Übertragungsweges hängt wie so oft von den Umständen ab und ist oben näher beschrieben.
Unabhängig vom Übertragungsweg ist der Ablauf der Weitergabe der Zielposition aber immer identisch aufgebaut und unterscheidet sich jeweils nur im letzten Abschnitt nach der Art der Übertragung.
Übermittlung beginnen:
Die Zielübertragung beginnt immer mit der obligatorischen Identifikation des sendenden und des angesprochenen Luftfahrzeugs.
Auf diese Formalie folgt dann die Detail Information des Ziels, die im wesentlichen aufgebaut ist wie der Contact-Report. Die Detail Information setzt sich also zusammen aus den drei Ds, der Richtung in der sich das Ziel befindet (Direction), der Entfernung zum Ziel (Distance) und der Beschreibung was das Ziel eigentlich ist und wo es sich genau befindet (Description). Diese drei Informationen sind notwendig, damit der empfangende Helikopter abgleichen kann, ob er das richtige Ziel aufgefasst hat.
Der letzte Part besteht dann darin, dass der sendende Helikopter darüber informiert, wie das Ziel übertragen werden soll.
Eine Zielposition wird formal wie folgt übermittelt:
„Saber-1, Eagle-1, target is north west, 2 km away, a BMP next to the red building„
mögliche Zusätze:
„… sending coordinates„
„… marking with laser on 1611„
„… check mails„
Readback:
Auch das Readback beginnt immer mit der obligatorischen Identifikation des sendenden und des angesprochenen Luftfahrzeugs.
Auf diese Formalie folgt dann die verstandene Information des Ziels. Durch diesen Block soll sichergestellt werden, dass es zu keinen Missverständnissen oder anderen Fehlern beim Empfang der Zielinformationen gekommen ist.
Außerdem dient das Readback der Zielinformationen als finale Bestätigung, dass das empfangende Luftfahrzeug bereit für den Empfang der Informationen ist.
Ein Readback wird formal wie folgt übermittelt:
„Eagle-1, Saber-1, readback, target is north west, 2 km away, a BMP next to a red building„
mögliche Zusätze:
„… awaiting coordinates„
„… awaiting laser on 1611„
„… awaiting mails„
Sending Information:
Das Sending beginnt immer mit der obligatorischen Identifikation des sendenden und des angesprochenen Luftfahrzeugs.
Auf diese Formalie folgt dann die Bestätigung oder der Wiederspruch zum Readback.
Falls es zum Widerspruch kommt, setzt die Schleife wieder am Punkt Übermittlung an.
Wird das Readback bestätigt beginnt die finale Zielübermittlung. In diesem Fall werden die Zielinformationen wie gebrieft ausgetauscht.
Das Sending wird formal wie folgt übermittelt:
„Saber-1, Eagle-1, readback correct„
mögliche Zusätze:
„… sending coordinates„
„… lasing on 1611„
„… sending mails„
Target Agreement
Das Target Agreement stellt ein standardisiertes Verfahren dar, um ein übermitteltes Ziel – sei es per Beschreibung, Koordinate, Lasermarkierung oder Datalink übertragen worden – eindeutig zu identifizieren und für einen bevorstehenden Angriff zu bestätigen. Ziel dieses Verfahrens ist es, sicherzustellen, dass der für das Ziel verantwortliche Flight das korrekte Objekt bekämpft und keine unbeabsichtigten Angriffe auf andere Ziele, Ziele anderer Flights oder eigene Kräfte erfolgen.
Durch die eindeutige Zielbestätigung wird das Risiko von Fehleinsätzen minimiert und die Effektivität der Einsatzkräfte maximiert. Dieses Verfahren trägt somit entscheidend zur Einsatzsicherheit und zur erfolgreichen Durchführung der Mission bei.
Das Target Agreement erfolgt in mehreren Schritten, um die eindeutige Identifizierung und Bestätigung eines Ziels vor einer Bekämpfung sicherzustellen.
Unterschieden wird zwischen einer optimalen Situation (klare Sicht, sofortige Zielidentifikation) und einer erschwerten Situation(eingeschränkte Sicht, Notwendigkeit zusätzlicher Positions- und Zielbeschreibung).
Optimale Situation:
In einer optimalen Situation stellt der empfangende Helikopter beim ersten Anlauf Sicht auf das übermittelte Ziel her.
Das empfangende Luftfahrzeug informiert das sendende Luftfahrzeug über das erfasste Ziel und wartet auf eine letzte Bestätigung, dass es sich um das beabsichtige Ziel handelt.
Eine erfasstes Ziel wird formal wie folgt übermittelt:
„Eagle-1, Saber-1, tally, north west, 2.2 km, BMP next to the building, behind a large tree„
Wird das Ziel korrekt beschrieben, gibt der Helikopter, der das Ziel weitergeleitet hat die Freigabe für den Angriff.
Eine Angriffsfreigabe wird formal wie folgt übermittelt:
„Saber-1, Eagle-1, correct target, you are cleared to engange„
Erschwerte Situation:
Bei der erschwerten Situation wird das Ziel nicht sofort erkannt oder bestätigt.
Zusätzliche Maßnahmen wie Positionswechsel, erneute Zielbeleuchtung (Laser on) und detaillierte Zielbeschreibung sind notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden.
Dieses Verfahren erfordert mehr Zeit, bietet jedoch eine deutlich höhere Sicherheit für Besatzung und eigene Kräfte, da es auch unter eingeschränkten Sichtbedingungen eine eindeutige Zielidentifikation gewährleistet.
Die erschwerte Situation kann durch zwei Begebenheiten ausgelöst werden:
Erstens, der empfangende Helikopter kann kein tally melden.
„Eagle-1, Saber-1, no joy on target„
Zweitens, die dem sendenden Luftfahrzeug gemeldete Feindeinheit ist nicht korrekt.
„Saber-1, Eagle-1, wrong target„
In beiden Fällen muss der Ablauf des Target Sharing erneut begonnen werden um sicherzustellen, dass das richtige Ziel angegriffen wird.
Es kann vorkommen, dass zuvor Positionswechsel durchgeführt oder andere Anpassungen in der Situation der Flights vorgenommen werden. Das ist zulässig. Sobald alle nötigen Änderungen geschehen sind, die die Erfolgschancen für den Angriff auf ein Maximum erhöhen beginnt der Ablauf des Target Sharing erneut von vorne.
Präzision geht in diesem Fall vor Geschwindigkeit.








