React to Contact

Als React to Contact bezeichnen wir in der 193rd Combat Aviation Brigade im allgemeinen die Reaktion unserer Helikopter auf einen unerwarteten, feindlichen und bedrohlichen Kontakt. Die Bedingungen „unerwartet“, „bedrohlich“ und „feindlich“ sind hierbei essentiell, da auf erwartete feindliche Kontakte und freundliche Kontakte grundsätzlich anders reagiert wird!
Der React to Contact stellt eine Basic Procedure da, die von allen in der 193rd Combat Aviation Brigade eingesetzt Helikoptern angewendet wird. Lediglich die Kampfkraft eines Hubschraubers kann zu leichten Unterschieden in den Gewichtungen der Reaktionsmöglichkeiten führen, während der generelle Ablauf aber immer gleich bleibt.
Grundsatz – Ziel eines react to contact

Das Ziel einer jeden Reaktion auf einen unerwarteten, bedrohlichen und feindlichen Kontakt ist es die plötzlich aufgetauchte Gefahr für das eigene Luftfahrzeug umgehend wieder zu reduzieren, beziehungsweise gänzlich aufzuheben.
Um dieses Ziel zu erreichen stehen dem Piloten mehrere Möglichkeiten zu reagieren zur Verfügung, zwischen denen er anhand der aktuellen Situation und den eigenen Möglichkeiten wählen kann.
Im Klartext bedeutet dieser Grundsatz, dass ein AH-64D Apache anders auf einen Contact reagieren kann, als zum Beispiel ein OH-58D Kiowa. Unabhängig vom Helikopter Typ ist es jedoch immer die oberste Priorität eines jeden Piloten die Einsatzbereitschaft seines Hubschraubers aufrecht zu erhalten. Vor dieser Priorität ist immer die Reaktion auf den Contact zu wählen, die die schnellste Reduzierung der Bedrohung garantiert.
Dieses Vorgehen ist zwingend notwendig, da bei einem unerwarteten, bedrohlichen Feindkontakt die Bedrohung für die eigenen Kräfte im ersten Moment immer unklar ist. Um die Bedrohung besser bewerten zu können, muss sie im ersten Schritt reduziert, beziehungsweise neutralisiert werden, um dann geeignet mit ihr umgehen zu können.
Unerwartet

Die erste Voraussetzung für einen React to Contact ist das unerwartete auftreten des Kontaktes.
Unerwartet bedeutet in diesem Kontext einen völlig ungeplanten Kontakt. Der Kontakt wurde also weder befürchtet, noch erwartet.
Treffen Helikopter z.B. beim Anflug auf eine Landezone auf feindliche Kräfte, von denen angenommen wurde, dass sie im Einsatzgebiet sind, so ist dies kein unerwarteter Kontakt.
War man allerdings davon ausgegangen, dass im Einsatzgebiet keine feindlichen Kräfte aktiv sind, ist der Kontakt unerwartet.
Wichtig, auch der Kontakt zu Kräften, deren Position nicht eindeutig bekannt ist kann erwartet werden. Zum Beispiel wenn eine bewegliche Patrouille im Einsatzgebiet aktiv ist.
Feindlich
Die zweite Voraussetzung für einen React to Contact ist die Klassifizierung des Kontakts als feindlich.
Nur feindliche Kontakte stellen für die eigenen Kräfte eine akute Bedrohung da, während freundliche oder neutrale Kontakte lediglich zur Kenntnis genommen werden müssen.
In manchen Situationen kann die Klassifizierung des Kontakt in die Kategorien freundlich, neutral und feindlich herausfordernd sein. Jeder Pilot sollte sich daher grundlegende Mechanismen erarbeiten, anhand derer die Klassifizierung erfolgen kann. Kenntnisse über Form und Art befreundeter und feindlicher Fahrzeuge ist essentiell, aber auch die spezifischen Ausrüstungen der Kämpfenden im Einsatzgebiet geben gute Anhaltspunkte für Unterscheidungen.

bedrohlich

Die dritte Voraussetzung für einen React to Contact ist die Tatsache, dass der erkannte Kontakt bedrohlich für das eigene Luftfahrzeug ist.
Ein feindlicher Kontakt mag generell eine Bedrohung darstellen, ist dieser jedoch über 20 Kilometer entfernt, ist diese Bedrohung nicht akut und der Kontakt kann ignoriert werden. Gleiches kann für Feindkräfte gelten, die unbewaffnet sind, wie zum Beispiel logistische Fahrzeuge.
Besteht keine Bedrohung durch den Kontakt, wird daher kein React to Contact durchgeführt, stattdessen setzt der Helikopter seinen Einsatz fort. Idealer Weise wird der Kontakt jedoch notiert oder an andere Kräfte weiter gegeben, wodurch er zukünftig zu einen erwarteten Kontakt wird, falls man sich seiner Position nähern sollte.
React to contact – Durchführung
Der React to Contact ist ein im höchsten Maße zeitkritischer Vorgang. Die Frage, ob die Reihenfolge der abzuhandelnden Schritte wirklich so sein muss, wird nicht selten gestellt. Diese Frage entsteht meistens deswegen, weil die Schritte zeitlich fast simultan ablaufen und so der Eindruck entsteht, die Reihenfolge wäre eventuell eine andere. Dieses Empfinden zeigt, wie zeitkritisch das Handeln eines jeden Piloten während eines React to Contact ist. Eine Reihe von Dingen muss geschehen, damit der Bedrohung erfolgreich entgangen werden kann und diese Handlungen laufen teilweise fast zeitgleich ab.
Trotz dieses zeitlichen Drucks sollte jeder Pilot durch Trainings seine eigene Ruhe und Routine in diesem Ablauf ausbauen. Automatismen helfen dabei Abläufe schnell und effizient zu erledigen, ohne das Zeit durch aktiv gesteuerte Handlungen verschwendet würde. Der beste Vergleich diesbezüglich dürfte das Bremsen im eigenen Auto sein. würde man hier noch aktiv darüber nachdenken, wäre es wesentlich öfter zu spät.


Schritt Eins – Bewerten
Der erste Schritt bei jedem React to Contact ist die Bewertung der Situation und damit die Entscheidung, ob ein React to Contact durchgeführt werden muss oder nicht.
Dem Piloten bleiben für diese Aufgabe nur wenige Augenblicke Zeit, da dann bereits Geschosse den eigenen Helikopter treffen könnten.
Im Vorteil ist hier, wer seinen Kopf während dem gesamten Flug eingeschaltet lässt, vorausschauend fliegt und auf seine Umgebung achtet. Ein Pilot, der sich bewusst darüber ist, dass sich rechts von ihm ein Wäldchen befindet, muss nicht mehr aktiv nach Deckung suchen, sobald er von links unter Feuer gerät. Gleiches gilt für jene, die im Auge haben, wo die verbündeten Einheiten stehen, die ihnen weitestgehend Sicherheit an dieser Flanke garantieren. So kann man viel mehr Aufmerksamkeit auf die ungeschützten Bereiche legen.
Unabhängig davon, wie die Voraussetzungen sind, bleibt die eigentliche Aufgabe der Bewertung jedoch für alle Piloten gleich.
Es gilt zu unterscheiden:
- Wo ist der Kontakt?
Um zu entscheiden in welche Richtung man einem Kontakt ausweichen möchte, oder wohin man sich wenden will, um ihn zu bekämpfen, muss man wissen wo er steht. - Wie weit entfernt ist der Kontakt?
Um zu entscheiden, ob ein Kontakt überhaupt eine Bedrohung (oder gar eine unmittelbare Bedrohung) für einen darstellt, muss man wissen wie weit der Kontakt entfernt ist.
- Was ist eigentlich der Kontakt?
Die grundlegende Frage lautet natürlich, handelt es sich bei dem Kontakt überhaupt um eine feindliche Einheit. Ist dies bestätigt, ist aber auch die Frage, um was für einen Feind handelt es sich und kann dieser mich überhaupt bedrohen, denn nur dann muss auf ihn reagiert werden.
Können alle diese Fragen eindeutig beantwortet werden und erfüllen die Antworten die Kriterien für einen React to Contact, wird dieser ausgeführt und mit Schritt Zwei fortgefahren. Erfüllen die Antworten die Kriterien für einen React to Contact nicht, wird der Flug unverändert fortgesetzt, gegebenen Falls wird der Flight über die Umstände/Beobachtungen informiert

Schritt Zwei – Warnen
Die Warnung während eines React to Contact dient dazu die Luftfahrzeuge, die gemeinsam mit einem operieren vor der erkannten Gefahr zu warnen und diesen somit die Möglichkeit zur Reaktion zu geben.
Die Warnung während einem React to Contact wird dabei genau so abgehandelt, wie jeder andere Contact Report auch.
Der meldende Pilot leitet seine Warnung durch das Schlüsselwort Contact ein. Durch diese Meldung sind alle empfangenden Piloten alarmiert. Auf den Call Contact folgen dann die Direction (in welcher Richtung befindet sich der Kontakt), die Distance (wie weit ist der Kontakt entfernt) und die Description (um was handelt es sich bei dem Kontakt).
Mit diesen Informationen sind auch alle anderen Piloten in der Lage schnelle Entscheidungen zu treffen, wie auf den Kontakt zu reagieren ist.
Ein Beispiel:
„Contact, 11 Uhr, 1.2 Kilometer, feindlicher APC“
Grade die Warnung wird oft in Frage gestellt, da sie gegebenen Falls tatsächlich einen merkbaren Anteil der zur Verfügung stehenden Zeit beansprucht. Trotzdem kann sie nicht weg gelassen werden, da sie in erster Linie der Sicherheit der verbündeten Luftfahrzeuge dient und nicht der eigenen.
Es spricht jedoch nichts dagegen, die Warnung zeitgleich mit der Reaktion abzuhandeln, sofern der Pilot hierfür erfahren genug ist und beide Vorgänge zeitgleich nicht zu Überforderung führen.
Schritt Drei – Reagieren
Auf die Warnung folgt während des React to Contact die Reaktion. Die Reaktion verfolgt, wie bereits geschrieben, immer das Ziel die Bedrohung für das eigene Luftfahrzeug so schnell wie irgend möglich zu reduzieren und sich gegenüber dem Gegner wieder in eine agierende Lage zu versetzen.
Auf einen Kontakt können Hubschrauber in der 193rd Combat Aviation Brigade auf drei unterschiedliche Arten reagieren. Welche Art gewählt wird entscheidet jeder Pilot für sein Luftfahrzeug, es sollte lediglich wenn möglich darauf geachtet werden, dass die Formation, sofern vorhanden, intakt bleibt. Diese Vorgabe hat jedoch gegenüber dem Ziel das Luftfahrzeug zu schützen keinen Vorrang!
Unabhängig von der Art wie auf den Kontakt reagiert wird, beginnt jeder Helikopter seine Raktion damit, die geeigneten Abwehrmaßnahmen einzusetzen. Handelt es sich bei dem Kontakt um Luftabwehr, die mit Hitze suchenden Waffen ausgerüstet ist werden Flares ausgestoßen. Der Umfang des Einsatzes der Gegenmaßnahmen hängt hierbei von Gegner und der Entscheidung des Piloten ab.
Nachdem die Gegenmaßnahmen, sofern sinnvoll, zum Einsatz gekommen sind, kann ein Helikoper wie folgt auf einen Kontakt reagieren.

Akzeptieren

Es ist immer möglich, dass ein Kontakt nicht in der Lage ist den Hubschraubern der 193rd Combat Aviation Brigade so gefährlich zu werden, dass es angemessen wäre den bestehenden Auftrag auszusetzen oder gar abzubrechen.
In einem solchen Fall akzeptieren die Piloten den Beschuss oder minimieren ihn durch Anpassung der Flughöhe oder Richtung und setzen ihren eigentlichen Auftrag unverändert fort.
So eine Entscheidung darf nicht leichtfertig getroffen werden, da sie immer das Risiko eines „Lucky Shot“ bietet, der dann einen Helikopter gefährden würde. Trotzdem kann das Akzeptieren der Bedrohung aber durchaus das Mittel der Wahl sein, wenn zum Beispiel Zeit ein kritischer Faktor bei der laufenden Operation ist (CAS Einsätze).
Ausweichen
Die üblichste Reaktion auf einen Contact ist das Ausweichen.
Bei diesem Vorgehen brechen die Hubschrauber schnell weg, so dass sie auf dem kürzesten Weg Distanz zwischen sich und den Kontakt bringen können. Zusätzlich wird in der Regel entweder die Flughöhe drastisch reduziert, um Gelände als Sichtschutz zwischen sich und den Gegner zu bringen oder aber die Flughöhe drastisch erhöht, um sich außerhalb der Waffenreichweite des Gegners zu bringen.
Das Ausweichen ist abgeschlossen, wenn die Hubschrauber eine neue und sichere Flugroute erreicht oder eine Standbyposition eingenommen haben, von der aus das weitere Vorgehen abgestimmt werden kann.
Der Vorteil des Ausweichens ist, dass es schnell und von jedem Luftfahrzeug ausführbar ist. Außerdem kann beim Ausweichen in der Regel die Formation aufrecht erhalten bleiben.
Der Nachteil des Ausweichens ist, dass für den Moment die Initiative dem Gegner überlassen wird, während die Hubschrauber der 193rd nur reagieren.

Bekämpfen

Die Möglichkeit einen Kontakt zu bekämpfen ist stark davon abhängig was für einen Hubschraubertyp man steuert, um was für einen Gegner es sich handelt und wie weit dieser zum Aufklärungszeitpunkt noch entfernt gewesen ist.
Während ein Transporthubschrauber CH-47F Chinook in der Regel nur mit leichten Zielen wie Infanterie zurecht kommen wird, hat ein AH-64D Apache durchaus auch die Möglichkeit eine Luftabwehrstellung, die unvermittelt erkannt wird, zu bekämpfen.
Auch im React to Contact ist zu beachten, dass ein Ziel nur dann bekämpft werden darf, wenn die Gefahr für das Luftfahrzeug möglichst gering ist. Wird eine feindliche ZU23 auf 6 km Entfernung aufgeklärt, ist ein Angriff möglich. Erfolgte die Aufklärung aber auf nur 1,5 km, muss auch ein Apache Ausweichen und zuerst die Sicherheit des Luftfahrzeugs und der Besatzung gewährleisten.
Schritt Vier – Formieren
Der Abschluss eines React to Contact bildet die Formierung.
Der Kontakt ist nun bekannt und die Luftfahrzeuge haben sich in eine wieder sichere Position gebracht. Aus dieser Lage heraus können alle beteiligten Helikopter entscheiden, wie mit dem Kontakt weiter verfahren werden soll. Lohnt sich ein Angriff? Wird der Kontakt ignoriert und umflogen? Für diese Entscheidungen ist nun Zeit vorhanden.
Nachdem entschieden wurde wie mit dem Kontakt zu verfahren ist, wird der Plan umgesetzt und danach die Ursprüngliche Operation abgeschlossen.